Ruhiger, aber nicht weniger dankbar
Gelebte Anerkennung und Wertschätzung immer gleich zu Jahresbeginn: Die freiwillige Feuerwehr traf sich zum traditionellen Winterfest im Saal des Hotels „Zur Post“ – eine Veranstaltung, bei der nicht nur den Wehrleute für ihre Arbeit gedankt werden soll, sondern auch den Familien die den Ehrenamtlichen dafür immer wieder den Rücken freihalten.
Von Jens Keblat / MV
Ein „Danke!“ an alle, die den Aktiven Zeit und Verständnis zuhause für das Ehrenamt einräumen, richtete Thomas Henrichsmann an die Familien. Bei seinem ersten Winterfest als Wehrführer gab er in seiner Position traditionell einen kurzen Jahresrückblick. (Rundes Bild) Darauf legen die Wehrleute in jedem Jahr großen Wert: Die Witwen bereits verstorbener Wehrmänner werden eingeladen und erhalten einen zentralen Ehrentisch. | Foto: Jens Keblat
„Das Ehrenamt ist keine unbezahlte Arbeit, sondern Arbeit, die unbezahlbar ist“, sagte Wettringens neuer Wehrführer Thomas Henrichsmann am vergangenen Samstagabend vor versammelter Mannschaft. Dutzende Ehrenamtliche schultern im „Hiärtken“ die kommunale Pflicht der Feuerwehr. Damit sie immer wieder ad hoc vor allem Zuhause alles stehen und liegen lassen können, wenn sie gebraucht werden, braucht es in den Feuerwehr-Familien allerhand Unterstützung und Verständnis. Das Winterfest steht deshalb traditionell im Zeichen der Partnerinnen und Partner – und noch eine Gruppe erhält an diesem Abend einen zentralen Tisch inmitten der Menge: die Witwen der bereits verstorbenen Wehrleute. „Ich freue mich, dass sie den Kontakt zur Feuerwehr weiterhin pflegen“, meinte Henrichsmann.

Foto: Jens Keblat
Da Bürgermeister Andreas Lastering sich krankheitsbedingt entschuldigen musste, auch urlaubsbedingt nicht vertreten werden konnte, nutzte der Wehrführer die Gelegenheit, vor einem festlichen Abendessen umso ausführlicher auf das vergangene Jahr zurückzublicken: „So schnell ist ein Jahr vorübergegangen und wenn man mal zurückdenkt, ist doch viel passiert: Wir hatten einen Wechsel in der Wehrführung und Marcel Sendker hat die Aufgaben von Werner Brüggemann als Gerätewart übernommen.“ Letzterer unterstütze seinen Nachfolger weiterhin. Ein paar wenige weitere krankheitsbedingte Absagen aus den Reihen der Wehr ließen das imposante Gesamtbild, das die Wehr aktuell abgibt, kaum schmälern: „102 Kameradinnen und Kameraden sind in der Einsatzabteilung, die Ehrenabteilung zählt 29 Mitglieder und der Musikzug engagiert sich mit 24 Kameradinnen und Kameraden – schon eine stattliche Summe“, freute sich Thomas Henrichsmann weiter.
Winterfest der Freiwilligen Feuerwehr
Eine erfreuliche Nachricht: das zurückliegende Einsatzjahr sei gegenüber dem Vorjahr 2024 etwas weniger dramatisch gewesen. „2025 war – Gott sei Dank – etwas ruhiger im Wettringer Revier. Die Anzahl der Einsätze (2024: 96) war minimal geringer, vor allem aber die Schwere der Einsätze ließ uns im vergangenen Jahr etwas aufatmen.“ Dennoch musste die Feuerwehr im „Hiärtken“ 2025 durchschnittlich fast zwei Alarme pro Woche bewältigen: „Wir wurden zu insgesamt 93 Einsätzen alarmiert, davon waren 24 Prozent Brandeinsätze, 60 Prozent Hilfeleistungseinsätze und – sage und schreibe – 14 Prozent Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen und Heimrauchmelder“, erläuterte der Wehrführer.
Abseits der Fehlfahrten ließen ein paar Einsätze „dennoch den Adrenalinspiegel höher steigen, so zum Beispiel der Schwefelwasserstoffaustritt im Industriegebiet, der uns an einem sonnigen Samstag von der Gartenarbeit abhielt“, berichtete Henrichsmann. Auch der Brandeinsatz in der Gaststätte „An de Bahn“ sowie der Brand eines Traktors direkt an einer Stallung in Bilk und der Dachstuhlbrand an der Rothenberger Straße seien durchaus in Erinnerung geblieben. Besonders dramatisch sei der Verkehrsunfall Ende April auf der B70 im Bereich Schröerskamp gewesen, bei dem eine Person von einem Lkw erfasst und so schwer verletzt wurde, dass sie später im Krankenhaus verstorben sei, wie Henrichsmann berichtete.

Spaß und Einsatz für den guten Zweck – hier in doppelter Ausführung. | Foto: Jens Keblat
Insgesamt sechs Mal sei die Wehr zudem überörtlich im Einsatz gewesen. In einem Fall habe man die Neuenkirchener Wehr nachbarschaftlh bei einem Wohnungsbrand unterstützt und fünf Mal sei der vom Kreis in Wettringen stationierte Gerätewagen-Atemschutz bei intensiveren Einsatzlagen mit hohem Atemschutzgeräte-Bedarf benötigt worden.
Und dann lieferte der Wehrführer einmal mehr Transparenz: „Wofür haben denn die Wettringer Geld ausgegeben?“ Neben den neuen datenschutzsicheren Funkmeldeempfängern für alle aktiven Wehrleute habe die Wehr auch noch eine „mobile Sichtschutzwand gegen Katastrophentourismus sowie eine Multifunktionsplattform, vergleichbar mit einem Gerüst, das uns einen sicheren Stand im unwegsamen Gelände gibt.“ Unter anderem weil in Kürze ein neuer Grundausbildungslehrgang mit 16 neuen Anwärtern für die Einsatzabteilung beginnen wird, blickte Thomas Henrichsmann auf eine rundum positive Entwicklung und freut sich auf weitere positive Nachricht und möglichst wenig folgenschwere Einsätze in 2026.

Eine kleine Tradition im Rahmen des Winterfestes: Der Besuch der Sternsinger, die aufgrund der vielen Mitglieder der Wehr mit reichlich (weiblicher) Verstärkung zu Besuch kamen. | Foto: Jens Keblat
Apropos Einsatz: Dass sich die Freiwillige Feuerwehr Wettringen auch abseits des Rettens, Löschens und Bergens einsetzt, zeigte sich, als die Sternsinger mit doppelter Zahl Heiliger Drei Könige, hier sogar allesamt Königinnen, traditionell den Segen für das Jahr mitbrachten. Da dabei Spenden gesammelt werden, ließen sich die versammelten Aktiven, Partnerinnen, Partner und Witwen nicht lumpen und gaben gerne – von einem guten Zweck für den anderen.