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JHV 2026

Wettringer Wehr wird immer größer

Feuerwehr war noch nie so weiblich

Wettringens Freiwillige Feuerwehr gehört zu einer der Vorzeige-Feuerwehren im Kreis Steinfurt. Das bestätigen auch die Zahlen aus der Jahreshauptversammlung: Die Zahl der Aktiven wächst weiter an, zudem ist die Feuerwehr so weiblich wie nie zuvor.

Von Jens Keblat / MV

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Volles Haus im Gerätehaus: Wettringens Feuerwehr war noch nie so groß: 162 Mitglieder – davon 102 Aktive, 23 im Musikzug und 37 in der Ehrenabteilung. Viele von ihnen waren zur Jahreshauptversammlung am vergangenen Samstag gekommen. Bei den Frauen liegt das Durchschnittsalter bei gerade einmal 25 Jahren, bei den Männern zudem nur 36 Jahre unter den Aktiven.

„Es darf auch mal etwas ruhiger laufen – und genauso war 2025“: Mit diesen Worten eröffnete Thomas Henrichsmann am vergangenen Samstagabend seine erste Jahreshauptversammlung als Leiter der freiwilligen Feuerwehr. Die gute Nachricht: Die Wehrleute waren mit insgesamt weniger und weniger dramatischen Einsätzen im „Hiärtken“ konfrontiert. Apropos Wehrleute: Die Einsatzabteilung ist nun groß und auch weiblich wie noch nie zuvor.

17 neue Anwärter

Ein paar Einsätze weniger, dafür aber mehr freiwilliges Engagement denn je: Die Freiwillige Feuerwehr konnte sich im vergangenen Jahr nicht nur über insgesamt weniger Adrenalin-Alarme freuen, sondern auch über eine in Summe prächtige Entwicklung in den eigenen Reihen. Während einerseits die Zahl junger Frauen, die sich im Musikzug und vermehrt auch in der Einsatzabteilung engagieren, spürbar steigt, beläuft sich der aktuelle Personalbestand der Wehr insgesamt nun auf stolze 162 – davon 102 Aktive, 23 im Musikzug und 37 in der Ehrenabteilung.

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Am Samstag wurden insgesamt 17 junge Frauen und Männer offiziell in die Einsatzabteilung und den Musikzug aufgenommen. 

Erst am Samstagabend konnte Wehrführer Henrichsmann gleich wieder einen ordentlichen Schwung in die eigenen Reihen aufnehmen: „Es freut mich sehr, dass 17 Frauen und Männer unserem Aufruf gefolgt sind und künftig die Einsatzabteilung verstärken werden. Das ist doch ein starkes Zeichen für eine attraktive Wehr.“

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Josef Rauen (l.) und Reinhard Schoo haben die Leitung der Ehrenabteilung nach über 15 Jahren in jüngere Hände übergeben. Für ihr Engagement wurden sie geehrt.

Für den aktiven Bereich der Wehr bedeutet dies: Bei den Frauen liegt das Durchschnittsalter bei gerade einmal 25 Jahren, bei den Männern zudem nur 36 Jahre – „wir sind durchaus eine junge Wehr“, so Henrichsmann weiter. So richtig Verstärkung brauche die Wehr gerade eher im Musikzug als in der Einsatzabteilung, denn auch dort wurden allein im vergangenen Jahr 60 musikalische Einsätze teils buchstäblich über die Bühne gebracht.

Neuer Vorsitz im Musikzug

Und während Dirigent Dieter Adams am Samstagabend für 35 Jahre starkes Engagement besonders geehrt wurde, übergab Matthias Kleiner den Vorsitz nach drei Jahren an dessen Nachfolger Christoph Eden-Lipka.

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Christoph Eden-Lipka wurde kürzlich zum neuen Vorsitzenden des Musikzuges gewählt.

Viel Lob für die Wehrleute gab es unterdessen und zwischen den üblichen Tagesordnungspunkten etwa nicht nur von Thomas Henrichsmann an seine Mannschaft, sondern auch von Bürgermeister Andreas Lastering sowie dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Frank Burrichter und Manfred Kleine Niesse, dem Vorsitzenden des Verbandes der Feuerwehren im Kreis. Denn die Ausbildung der Wehrleute im gesamten Kreis wird auch stark von Wettringer Wehrleuten mitgetragen, die sich gerade an Wochenenden zusätzlich engagieren.

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Matthias Kleiner (l.) wurde nach drei Jahren als Vorsitzender des Musikzuges in dieser Funktion verabschiedet. Thomas Henrichsmann ehrte ihn für seinen Einsatz.

Apropos: Während Frank Burrichter daran appellierte, dass sich Kommunen stärker auf einen möglichen Blackout vorbereiten sollten und der Vorfall im Januar in Berlin bestätigt habe, wie nötig dies sei und wie gut bereits das diesbezügliche Landeskonzept in NRW greife (zwei von insgesamt 25 neuen 250 kVA-Netzersatzanlagen gibt es im Land, zehn kamen in Berlin zum Einsatz; zwei davon aus dem Kreis Steinfurt) und Lastering zunächst eine Viertelstunde darüber berichtete, was allgemein gerade so „in der Gemeinde los“ sei, packte dieser dann doch noch beinahe unerwartet ein spannendes Feuerwehr-Thema aus.

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Die beiden Feuerwehrmusikerinnen Jana Berger (l.) und Pia Berger wurden jetzt auch zu Feuerwehrfrauen in der Einsatzabteilung befördert.

Nachdem im vergangenen Jahr mehrheitlich kleinere notwendige Investitionen in die Wehr getätigt wurden, stehen in diesem und auch im nächsten Jahr wieder turnusmäßig Fahrzeugbeschaffungen an. Lastering: „Wir werden in diesem Jahr in einen neuen Mannschaftstransportwagen investieren und 2027 soll dann die Anschaffung eines neuen HLF 20 erfolgen.“

Bei dem HLF 20 handelt es sich um ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, für das die Gemeinde mit hohen Kosten rechnet: „Deutlich weniger als eine Million Euro“, nahm es Lastering leicht ironisch mit Blick auf kontinuierliche Preissteigerungen und fügte hinzu: „Zirka 800.000 Euro. Das ist einiges.“ Doch: „Das ist kein Luxus-Auto, das ist ein Standard-Preis“, so der Bürgermeister weiter. Zudem seien jeder Cent und jeder Euro für die Feuerwehr gut investiertes Geld.

Bilder gibt es hier.

Eine für Feuerwehren landauf landab gewöhnliche Einsatzstatistik, jedoch keine, die sie sich in dieser Form wirklich wünschen, denn die Frauen und Männer der Einsatzabteilung der Wehr im „Hiärtken“ stießen in 13 der insgesamt 93 Fälle auf Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen und Heimrauchmelder, die Zahl der tatsächlichen Brandeinsätze liegt glücklicherweise gerade einmal bei 22.

Genauso wie die 17 Ölspuren im Bereich der Technischen Hilfeleistung, die Thomas Henrichsmann am Samstagabend als echten „Runner“ in der Einsatzstatistik bezeichnete, verhält es sich mit den Fehlalarmen durch Brandmeldeanlagen und private Rauchmelder. Zwar können beide Systeme in Einzelfällen frühzeitig Schlimmeres verhindern, doch nicht selten lösen sie – bei weitem nicht nur Wettringen – immer wieder aufgrund von Defekten oder durch Staub und sonstigen Rauch aus und strapazieren so nicht nur die Wehrleute, sondern dauerhaft auch deren Partner, Familien und Arbeitgeber.

In weiteren neun Fällen wurde das Feuer tatsächlich früh genug bemerkt und auch bekämpft, hier blieb es bei Entstehungsbränden und abschließenden Nachlöscharbeiten. Während es in 2025 zu keinem Großbrand kam, verzeichnete die Wehr jedoch acht Mittelbrände sowie eine nachbarschaftliche Löschhilfe in Neuenkirchen und insgesamt vier Einsätze des Gerätewagen-Atemschutz des Kreises bei Großbränden innerhalb des Kreisgebietes.

Bei den Technischen Hilfeleistungen sieht es facettenreicher aus: Neben den 17 Ölspuren rückte die Wehr 16 weitere Male zu Menschen in Notlagen aus, etwa wenn sich diese hinter verschlossenen Türen bzw. in Aufzügen befanden oder gar gemeinsam mit dem Rettungsdienst reanimiert werden mussten. Zudem ereigneten sich acht Verkehrsunfälle, bei denen die Feuerwehr erforderlich war, sechs Mal wurden Wasser- oder Sturmschäden beseitigt, drei Mal kam es zu Gasgeruch, zudem wurde ein Tier aus einem Schornstein gerettet und bei fünf weiteren Alarmen ging es etwa um die Bergung eines Tresors aus einem See, ein Fischsterben oder die nächtliche Außenlandung eines Rettungshubschraubers.